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Homöopathie Teil 3

Potenzierungsprinzip

Stellen wir uns einmal vor eine Schulklasse und wagen folgende Behauptung: "Wenn wir die im Glas zu sehende Substanz in ein wenig Wasser aufl√∂sen und dann immer weiter mit Wasser verd√ľnnen, wird die Substanz immer wirksamer."

Nachdenkliche Sch√ľler und solche, die sich an ihre Erfahrungen mit dem Aufl√∂sen (Feinverteilen) von Stoffen erinnern, werden uns verwirrt anschauen und uns - mit Recht - f√ľr verr√ľckte Phantasten halten. Genau diese phantastische Behauptung ist aber die zweite "S√§ule" des hom√∂opathischen Gedankengeb√§udes: Das sogenannte "Potenzierungsprinzip".

Wenn mittels des Simile-Prinzips die passende Substanz zur Heilung gefunden ist (wobei Hahnemann und sogar noch seine Anh√§nger in neuerer Zeit Pflanzenteile oder pulverisierte tierische Teile jeweils wie eine Monosubstanz betrachten), dann soll sie durch wiederholte Verd√ľnnungsschritte und jeweiliges Versch√ľtteln "potenziert" (wirksamer gemacht) werden. Nimmt die Wirksamkeit einer Substanz zu - so wie dies die Worte "Potenzierung" und, in neuerer Zeit, "Dynamisierung" und "Energetisierung" suggerieren -, wenn immer kleinere Mengen von ihr im L√∂sungsmittel oder in einem festen Tr√§germaterial (z. B. Milchzucker) verteilt sind und in den K√∂rper gebracht werden? Kann ferner die Wirksamkeit einer nur noch in kleinsten Mengen vorhandenen Substanz durch Sch√ľtteln (Hahnemann und andere geben dazu ganz pr√§zise Anweisungen) erh√∂ht werden?

Wie kam Hahnemann bei seiner Suche nach einem "leichten, sicheren und zuverl√§ssigen (Heil-)Weg", den Gott, "der Allvater" mit dem "Befragen" der Arzneien m√∂glich gemacht hat (eingangs zit. Brief an Hufeland), √ľberhaupt auf die Idee des "Potenzierens" durch Verd√ľnnen? Diese Idee stammt wiederum nicht von ihm. Der schon zitierte John Brown hatte bereits vor Hahnemann gelehrt, da√ü ein schwacher Reiz (eine niedrige Potenz) die h√∂chste Erregung der "Lebenskraft" hervorbringe, wenn er auf deren "halbverzehrte Erregbarkeit" treffe (Prokop/Prokop 1957). Die okkulte Idee ist aber noch viel √§lter. Schon Paracelsus hat die Arzneiwirkung als unabh√§ngig von der Dosis bezeichnet (Katsch nach Prokop/Prokop 1957), indem er sie als eine Art "F√ľnklein" ohne Gewicht aufgefa√üt hat, das sich im K√∂rper - je nach dem Zustand der "Lebenskraft" - st√§rke oder schw√§che.

Ebenso wie f√ľr das Simile-Prinzip gibt es also auch f√ľr das Potenzierungs- Prinzip anstelle einer wissenschaftlichen, experimentellen Basis - wie generell beim Aberglauben - eine jahrhundertealte √úberlieferung okkulter Vorstellungen.

In neuer Zeit gab es erstaunenswerte Bem√ľhungen von hom√∂opathischer Seite um eine scheinbar naturwissenschaftliche Erkl√§rung f√ľr das angebliche Bestehenbleiben der Wirksamkeit einer w√§√ürigen L√∂sung auch nach phantastischer Verd√ľnnung der Wirksubstanz bis hin zum wirkstofffreien Wasser (Resch u. Gutmann 1987; Davenas et al. 1988). Aber die hierzu vorgetragenen Behauptungen von einem "Ged√§chtnis" des L√∂sungs- und Verd√ľnnungsmittels Wasser sind unbegr√ľndete Spekulationen und k√∂nnen leicht widerlegt werden:

Die auch in fl√ľssigem Wasser vorhandenen Wassercluster (geordnete Verb√§nde von Wassermolek√ľlen), denen eine Ged√§chtnisfunktion f√ľr die einmal anwesend gewesenen Wirkstoffmolek√ľle und -ionen zugeschrieben werden, haben eine Zerfallszeit im Bereich von Nanosekunden. Wie bei anderen Fl√ľssigkeiten, sind auch im Falle des Wassers die Molek√ľle st√§ndig in Bewegung. Dadurch ver√§ndert sich die innere Struktur der Fl√ľssigkeit trotz Clusterbildung fortw√§hrend. Wassermolek√ľle unterliegen aber auch noch st√§ndig der Autoprotolyse, wobei sie zu Protonen und Hydroxidionen dissoziieren; in einer Gleichgewichtsreaktion assoziieren diese wiederum zu Wassermolek√ľlen. Die Zeitintervalle daf√ľr liegen ebenfalls im Bereich von Nanosekunden, und man kann, weil es sich im einzelnen um statistische Zufallsereignisse handelt, nie voraussagen, welche Wassermolek√ľle der L√∂sung gerade zerfallen sind. In der Regel liegen in der w√§√ürigen L√∂sung aber auch noch Ionen (z.B. Phosphat- und Carbonationen) und Molek√ľle (z. B. Kohlens√§uremolek√ľle) vor, die ihrerseits mit Wassermolek√ľlen Protonen√ľbergangsreaktionen eingehen und dadurch fortw√§hrend zus√§tzlich √É‚Äěnderungen der Clusterstruktur bedingen.

In Anbetracht der bekannten Tatsachen ist schon erstaunlich wie scheinbar naturwissenschaftlich √ľber die M√∂glichkeit von spezifischen, anhaltenden "Ged√§chtnisstrukturen" im Wasser spekuliert wird.

Wer heute √ľber molekularbiologische und pharmakologische Reaktionen nachdenkt, sollte eigentlich zudem zur Kenntnis genommen haben, da√ü an den Rezeptorstellen der Zellrnembranen, an den Enzymmolek√ľlen usw. jeweils hochspezifisch beispielsweise ein bestimmtes Hormon-, Arzneistoff-oder Zuckermolek√ľl oder Calziumion angreift und einen Prim√§reffekt ausl√∂st, dies aber niemals von irgendwelchen "Abdrucken" - wie behauptet - zustande gebracht werden kann. Man stelle sich au√üerdem einmal vor, welche Folgen es f√ľr den Zellstoffwechsel und den ganzen K√∂rper h√§tte, wenn die freisteigenden Spekulationen √ľber die biologisch wirksamen "Ged√§chtnisstrukturen" des Wassers realistisch w√§ren !

Biologisch bzw. pharmakologisch wirksam an den Zielstellen k√∂nnen also nur die Ionen oder Molek√ľle der Wirksubstanzen sein, nicht das leere L√∂sungsmittel. Dennoch gehen Hom√∂opathen weiterhin davon aus, da√ü die Wirksamkeit "ihrer" Substanzen keiner Dosis-Wirkungs- Relation entspricht.

F√ľr chemische Teilchen -Teilchen -Wechselwirkungen (chemische Reaktionen) gilt aber das "Massen-" (Mengen-) "wirkungsgesetz" (Guldberg u. Waage 1864) - selbstverst√§ndlich auch f√ľr biochemische und pharmakologische Reaktionen. Wenn ein vermeintlicher Arzneistoff, beispielsweise ein Hom√∂opathikum, bei seiner Wirksamkeit nicht der Dosis-Wirkungs-Relation folgt, dann ist dies ein untr√ľglicher Hinweis darauf, da√ü nicht dieser Stoff es ist, der das Ergebnis verursacht hat, sondern diesem Ergebnis nur assoziiert war. Um dar√ľber die n√∂tige Gewi√üheit zu erlangen, f√ľhrt man bekanntlich f√ľr einen Wirksamkeitsnachweis Doppelblindversuche durch, die noch aussagekr√§ftiger werden, wenn man statt nur einem Placebomittel zwei mitlaufen l√§√üt.

Dennoch h√§lt die Hom√∂opathie an der Verd√ľnnung als wirkungswesentlich fest. Die Anh√§nger der Hochpotenzen gehen bei der Verd√ľnnung sogar √ľber die Loschmidtsche Zahl (6x10 hoch 23 ) hinaus, wollen also beispielsweise eine Substanz in der Potenz (d.h. Verd√ľnnung) D 24 herstellen und m√ľssen diese dazu 1:10 hoch 24 (eine Zehn mit 24 Nullen) verd√ľnnen. Dann kann nicht mehr damit gerechnet werden, da√ü wenigstens noch einzelne Wirkstoffmolek√ľle (oder -ionen) vorhanden sind. Nach hom√∂opathischer Auffassung ist es der amaterielle "Geist" einer Substanz, der in den ungeheuren Verd√ľnnungen immer wirksamer ("potenziert") werde und auf die "Lebenskraft" (so noch Hahnemann) o. √§. einwirken k√∂nne.

Die Auffassungen der Hom√∂opathen f√ľhren sich immer wieder selber ad absurdum. Die Behauptungen und Erkl√§rungen sind beispielhaft f√ľr autistisch-undiszipliniertes Denken (dar√ľber s.Bleuler 1921,1962 ).

Wir wollen weiter versuchen, das Denkgebäude, das an die phantastischen Bilder M.C.Eschers erinnert, zu entschleiern. Wenn man mit dem heute vorliegenden Faktenwissen, mit Sachverstand und Logik an das Potenzierungs-Prinzip der Homöopathie herangeht, endet man immer bei Falsifizierungen (eine einzige reicht aus, um eine Hypothese mit hundertprozentiger Sicherheit zu widerlegen):

a) Es bleiben die vielen Substanzen, die in jedem noch so reinen Wasser oder Alkohol oder Milchzucker - anderen gebr√§uchlichen Verd√ľnnungsmitteln - enthalten sind, unber√ľcksichtigt. Es sind n√§mlich immer praktisch alle Elemente enthalten Tabellen mit Mengenangaben √ľber die nat√ľrlichen Beimengungen von Molek√ľlen, Ionen und Atomen sind publiziert (Hopff 1991).

b) Woher wissen jeweils die Teilchen die nach Auffassung des Homöopathen dazu ausersehen sind, daß nur sie potenziert werden sollen?

c) Wie k√∂nnen die Apotheker √ľberhaupt noch ihre Gef√§√üe reinigen, wenn der materiell angeblich nicht fa√übare "Geist" der mehr oder weniger weggesp√ľlten Substanzteilchen durch die Stoffverminderung beim Abl√∂sen doch immer wirksamer wird?

"Der Homöopath jedoch hat`s schwer, der Tiegel wird nicht sauber mehr.
In allen Poren und auch Ritzen bleibt ja der Geist des Wirkstoffs sitzen.
Er rätselt nun, wie dies zu machen.
Der Wirkstoffgeist hat nichts zu lachen:
Zum Tiegelwaschen fähig ist -
allein der Wirkstoff-Exorzist." (Andreas Kämmerer)

d) Sollte die vorgeschriebene Versch√ľttelung zwischen den Verd√ľnnungsschritten tats√§chlich zur ,,Potenzierung f√ľhren, d√ľrfte nicht - wie auch √ľblich - in Centesimalschritten (jeweils 1:100) oder gar nur nach der LM-Methode (1: 50.000) verd√ľnnt werden, sondern die Verd√ľnnung und Versch√ľttelung m√ľ√üte in Dezimalschritten erfolgen. Denn es kommt ja nach hom√∂opathischer Auffassung bei der "Potenzierung" wesentlich auf das Sch√ľtteln nach jedem Verd√ľnnungsschritt an. Deshalb m√ľ√üten m√∂glichst kleine und dadurch zahlreiche Verd√ľnnungsschritte gew√§hlt werden (Hopff 1990; Hopff 1991). Es sei aber - nicht der Kuriosit√§t, sondern der Enth√ľllung wegen - nicht verschwiegen, da√ü es auch Hom√∂opathen und Hom√∂opathika gibt, die scheinbar erfolgreich sind, ohne lege artis und sogar ohne jede Versch√ľttelung.

e) Bisher blieb ganz unber√ľcksicntigt, da√ü es im menschlichen Magen, Darm und Blut st√§ndig zur Potenzierung - Verd√ľnnung plus Versch√ľttelung - aller eingebrachten wirksamen Substanzen kommen m√ľ√üte: Sowohl jener Vielzahl ubiquit√§r vorhandener Stoffe, die nach hom√∂opathischem Arzneischatz bei entsprechender Verd√ľnnung (und Versch√ľttelung) heilend wirken - so da√ü man sich fragt, wozu es da noch der Hom√∂opathen und der hom√∂opathischen Industrie bedarf -, als auch der vom Stoffwechsel des K√∂rpers selbst bereitgestellten Molek√ľle - deren ungeordnete "Potenzierung" geradezu eine Gefahr darstellen w√ľrde.

f) Eine andere Gefahr, die beim Transport w√§√üriger Fl√ľssigkeiten entsteht, haben die Br√ľder Prokop (1990) schon vor langer Zeit erkannt und Transportunternehmen eindringlich davor gewarnt. Wird n√§mlich eine L√∂sung beim Transport mit Lastwagen, Eisenbahn oder am K√∂rper gesch√ľttelt, k√∂nnte sich die Wirksamkeit weiter steigern. Schon der Transport einer hom√∂opathischen Medizin k√∂nnte, selbst in Damenh√§nden, zu einer ungewollten Versch√ľttelung und damit Wirkungsverst√§rkung f√ľhren.

g) Ob unser naturwissenschaftliches Weltbild oder das der Hom√∂opathie mit der Wirklichkeit vertr√§glich ist, kann rasch beispielsweise auch mit folgendem Experiment beantwortet werden: Ein Hom√∂opath m√∂chte eine Tasse zuckerges√ľ√üten Kaffee haben. Wir reichen ihm eine Tasse voll, dem aber zu wenig Zucker zugesetzt worden ist. Die S√ľ√üe (das ist die gew√ľnschte biologische Wirkung, sensorische Reizung) gen√ľgt ihm nicht. Also nehmen wir 9 Teile Wasser und geben einen Teil des nur leicht ges√ľ√üten Kaffees hinzu. Dann sch√ľtteln wir - z. B. so wie einst Hahnemann. Es ist zu erwarten, da√ü mit dem einen Potenzierungsschritt die ausreichende S√ľ√üe des Kaffees noch nicht erreicht sein wird. Also potenzieren wir dezimalschrittweise nochmals und nochmals und nochmals ... Ob dabei dem Hom√∂opathen nicht angst und bange wird? Denn das Coffein m√ľ√üte ja ebenfalls von Schritt zu Schritt potenziert werden, und die dann zu erwartenden toxikologischen Nebenwirkungen w√§ren beachtenswert: Massive Diurese, bedrohliche Herzrhythmusst√∂rungen ...

Fassen wir kurz zusammen: Sowohl die erste wie die zweite Grundvoraussetzung der Hom√∂opathie - Simile-Prinzip und Potenzierungs-Prinzip - sind samt den √ľbernat√ľrlichen und den - neuerdings zu beobachtenden - pseudonaturwissenschaftlichen Erkl√§rungsversuchen falsifiziert.
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