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Homöopathie Teil 4

Innerdisziplinärer Vergleich: Gibt es e i n e Homöopathie?

Diese Frage mu√ü mit einem eindeutigen n e i n beantwortet werden. Es ist n√§mlich schon deshalb unm√∂glich, mit Hom√∂opathen in ein sachliches Gespr√§ch zu kommen, weil es der Hom√∂opathle nicht nur an Widerspruchsfreiheit, sondern immer mehr auch an Einheitlichkeit mangelt und sich jeder Hom√∂opath seine eigene Hom√∂opathie zurechtlegt. So lassen sich neben den "klassischen Hom√∂opathen" die "Hochpotenzler", "Niederpotenzler", Monotherapeuten und Polypragmatiker, die hom√∂opathischen Phytotherapeuten, die anthroposophischen Hom√∂opathen und vielerlei Varianten und Kombinationen - auch in Verbindung mit anderen Au√üenseiterverfahren wie z . B. der Irisdiagnostik - unterscheiden. Ihre einzelnen Vertreter bek√§mpfen sich teilweise heftig (F√§h 1990). Solche Vielfalt ist kennzeichnend f√ľr unwissenschaftliche, magische (Be) handlungen und Sektenbildung unter den Therapeuten.

Ist die Homöopathie ungefährlich?

Die Hom√∂opathie ist keinesfalls ungef√§hrlich. Der vielzitierte Satz "Was nichts n√ľtzt, wird schon nicht gef√§hrlich sein" kann sich dann sogar als lebensgef√§hrlich erweisen, wenn eine ernste Krankheit, die lege artis erfolgreich zu behandeln gewesen w√§re, √ľber l√§ngere Zeit hom√∂opathisch behandelt wird (Mattig u. Gertler 1989). Ferner treten bei der Behandlung mit "Niederpotenzen" (also weniger verd√ľnnten Mitteln) substanzbedingt gelegentlich - wie zu erwarten - sch√§dliche Nebenwirkungen auf (W√ľnstel 1988). Bei der Behandlung mit "Hochpotenzen" sind toxische Sch√§den nat√ľrlich nicht zu bef√ľrchten. Aber in jedem Fall kann die Unterlassung einer wirklichkeits- und situationsgerechten Untersuchung, Diagnosestellung und spezifisch wirksamen Behandlung als Kunstfehler gewertet werden. Deshalb hat die Frage, ob gleich bei Krankheitsbeginn hom√∂opathisch behandelt werden soll oder darf, auch schon bei Bef√ľrwortern der Hom√∂opathie zu Meinungsverschiedenheit gef√ľhrt. Manche Hom√∂opathen setzen n√§mlich lieber eine schulmedizinische Untersuchung, Diagnose und Therapie an den Anfang. Fachlich, arztethisch und juristisch unzweifelhaft geboten ist die medizinisch kompetente, gesicherte Diagnose vor jeglicher Therapie. Wenn schlie√ülich feststeht, da√ü dadurch dem Patienten keine notwendige und wirksame Behandlung vorenthalten wird, kann im Einzelfall, wenn vom Patienten uneinsichtig erwartet, eine solche paramedizinische Behandlung vorgenommen werden, wenn diese unsch√§dlich und ungef√§hrlich ist. Sie wird dann als imponierende und suggerierende Methode oft an die Stelle einer aufdeckenden, helfenden "kleinen Psychotherapie" gesetzt.

Wegen der erwähnten Risiken haben viele Homöopathen, besonders die "klassischen Homöopathen" ernste Bedenken gegen die Abgabe von Homöopathika durch Laienbehandler, wie z.B. Heilpraktiker, Drogisten und sogar Apotheker, weil diese schon mangels ärztlicher Ausbildung keine zuverlässigen Diagnosen stellen können.

Welche Patienten bzw. welche Krankheiten werden homöopathisch behandelt?

√Ąrztliche Au√üenseiter behaupten regelm√§√üig, der "Schulmediziner" w√ľrde nur Krankheiten, aber nicht "den Patienten" behandeln. Vor allem wird als Unterschied herausgestellt, da√ü nur der Hom√∂opath, der "Naturheilkundige" "ganzheitlich" behandeln w√ľrde. Da√ü dies eine Unterstellung ist, kann auch ein Laie beurteilen, der selber die Vielfalt sorgf√§ltiger klinischer Untersuchungen kennengelernt hat, wie sie an unseren Universit√§tskliniken unter Einbezug der klinischen Psychologie praktiziert und gelehrt werden. Sie ersch√∂pfen sich n√§mlich keineswegs in einer (m√∂glichst pr√§zisen!) k√∂rperlichen Untersuchung nach neuestem Forschungs- und Wissensstand. Aber auch diese k√∂rperlichen Untersuchungen, die inzwischen teilweise einen hohen technischen Aufwand erfordern, sind im allgemeinen unverzichtbar - ganz unabh√§ngig von den pers√∂nlichen Einstellungen der Patienten. Demgegen√ľber erscheint dem Sachverst√§ndigen das diagnostische und therapeutische Methodenarsenal in den unterschiedlichen paramedizinischen Praxen entlarvend. Wieder ergibt sich die Diskrepanz zwischen den naturwissenschaftlich aufgedeckten Gegebenheiten der Natur einerseits und den damit in Widerspruch stehenden paramedizinischen Vorstellungen und Methoden.

Dem angehenden Arzt wird im Laufe seines Studiums selbst von den zeitlich stark belasteten Klinikern immer wieder eingesch√§rft: "Lassen Sie nie die Sonne √ľber einem Patienten, der Sie um Hilfe gebeten hat, untergehen." Vielbesch√§ftigte Hom√∂opathen muten ihren Patienten aber ohne weiteres wochenlange oder halbj√§hrige Wartezeiten zu, bis sie sich ihnen erstmals widmen k√∂nnen. Sp√§testens hier stellt sich die Frage: Welche Klientel haben im allgemeinen die schulinedizinisch t√§tigen √Ąrzte, welche die Hom√∂opathen? Es liegt auf der Hand, da√ü unter den gegebenen Umst√§nden √ľberwiegend Patienten mit sogenannten (psychosomatischen) "Befindensst√∂rungen" in die Praxis des Hom√∂opathen gelangen, ebenso die "eingebildeten Kranken". Ob die Beschwerden nach den langen Wartezeiten immer noch dieselben sein werden, sei dahingestellt. Selbstverst√§ndlich kommen solche Patienten, denen einfach "etwas fehlt", auch in die anderen Arztpraxen und auch einmal in die Klinik. Entt√§uscht √ľber die nicht gefundene pers√∂nliche Zuwendung und manchmal auch aus Angst vor der verschrienen "Chemie" wechseln sie die Dom√§ne. Manche Kranken - vor allem Schwerkranke wie z. B. Krebspatienten - nehmen die hom√∂opathischen Praxen zus√§tzlich In Anspruch ("man kann ja nicht wissen" , "man will doch alles versuchen").

Selbstverst√§ndlich wenden sich in Einzelf√§llen Hom√∂opathen auch ernsten organischen Erkrankungen mit hom√∂opathischer Arznei zu - sogar dann, wenn eine gesicherte Diagnose vorliegt und durch Hom√∂opathie die einzig zuverl√§ssig wirksame Behandlung vers√§umt wird. Aber √ľber √§rztliche Kunstfehler im Zusammenhang mit der Hom√∂opathie soll an dieser Stelle nicht referiert und diskutiert werden.

Es soll aber noch Erwähnung finden, daß Verhaltensauffälligkeiten und Schulprobleme bei Kindern nach homöopathischen Vorstellungen ("Causticum-Kind", "Barium-Kind" usw.) und nach den "Erfahrungen" von Homöopathen ebenfalls - und zwar durch umfassende "Konstitutionsbehandlung" - der homöopathischen Behandlung zugänglich sind:

"Das ruhige, sch√ľchterne, antriebsschwache Kind", der "Schulkopfschmerz"(!) des ehrgeizigen M√§dchens, "das unruhige, konzentrationsgest√∂rte Kind", "das ersch√∂pfte Kind", "Rechen- und Schreibschw√§che" und "Pr√ľfungsangst" (Haidvogl 1990), wenn man nicht lieber f√ľr "Schulproblem-Kinder" die Akupunktur (Tenk 1988 in: Haidvogl 1990) in Anspruch nehmen will, die sich sogar bei leichter "larvierter Depression" bew√§hrt habe - Akupunkturpunkt M36 eine "Handbreit" (1) unter dem Kniegelenk.

Die Forderungen nach eigener paramedizinischer Forschung

In den letzten Jahren sind bisweilen medizinische Dissertationen von Anh√§ngern der Hom√∂opathie angefertigt und angenommen worden, und es sind sogar Habilitationen auf diesem Gebiete versucht worden. Einzelne Politiker √ľbernehmen die Forderung einschl√§giger Kreise nach der Errichtung von Lehrst√ľhlen f√ľr "Naturheilmethoden", "Ganzheitsmedizin" und "Hom√∂opathie". In Deutschland setzt sich vor allem Frau Dr . med. Veronica Carstens mit dem von ihr und Ex - Bundespr√§sident Carstens gegr√ľndeten F√∂rderverein NATUR UND MEDIZIN (Forschungs-Etat 1990: 1,5 Mio DM) f√ľr Forschungseinrichtungen f√ľr die Naturheilkunde mit der "jahrtausendealten Pflanzenheilkunde", mit Akupunktur und Hom√∂opathie ein - und f√ľr deren Lehren in der √§rztlichen Ausbildung. Hat die jahrzehnte- und jahrhundertelange Entwicklung der medizinischen Fachbereiche und der Naturwissenschaften nicht stattgefunden? Ist ihr Anfang und sind ihre Stationen und Ergebnisse v√∂llig in Vergessenheit geraten? Oder sind sie nicht verstanden worden?

Diese Bem√ľhungen sind allerdings nicht neu. Wir erinnern nur an ganz wenige Beispiele: Der Okkultist Franz Anton Mesmer hatte einen Lehrstuhl f√ľr ("tierischen") Magnetismus an der Universit√§t M√ľnchen inne. Seine therapeutischen Erfolge waren beachtenswert. Auf Betreiben August Biers hat die Medizinische Fakult√§t der Universit√§t Berlin einen Lehrstuhl f√ľr Hom√∂opathie errichtet - und mu√üte ihn notgedrungen mangels Leistungsf√§higkeit wieder aufgeben (Prokop u. Wimmer 1987). Wie man bei Prokop (1957, 1964, 1987 und 1990) nachlesen kann, hat es nicht nur vor zwei Jahrhunderten, als die wissenschaftliche Medizin noch kaum ihre Entwicklung angetreten hatte, Bem√ľhungen um die Erforschung und Lehre der Hom√∂opathie gegeben, sondern w√§hrend mehrerer Generationen(!) - bis in unsere Zeit, mit besonders starker F√∂rderung durch die Nationalsozialisten (Hitler, Hess und Himmler waren die prominentesten Protagonisten, Konzentrationslager willkommene "Versuchsanstalten") (Prokop u. Wimmer 1987, Prokop et al. 1990). Kein einziges medizinisches Fachgebiet mit einer vergleichbar langen Entwicklungs- und Bew√§hrungszeit wie im Falle der Hom√∂opathie liegt vor. Die Hom√∂opathie ist also nicht √ľbersehen oder unterdr√ľckt worden - im Gegenteil. Sie hat durch wissenschaftliche Selektion ihren Platz an der Universit√§t und √Ąrzteausbildung verloren. Das kann bei Kenntnis ihrer Herkunft und einzigen Grundlagen heute auch nicht mehr verwundern.

Die unvoreingenommenen Amerikaner gr√ľndeten in Philadelphia PA bereits wenige Jahre nach Hahnemanns Tod, n√§mlich 1848, das Hahnemann Medical Collage. Dort arbeiteten √ľberzeugte Hom√∂opathen auf allen Gebieten der Wissenschaften, aber vornehmlich Mediziner, mit dem einzigen Ziel, die Wirksamkeit hom√∂opathischer Pr√§parate wissenschaftlich zu belegen. Allein es kam, wie es kommen mu√üte:

Nach hundert Jahren insoweit vergeblicher Forschung wurde die Hom√∂opathie in Forschung und Lehre aufgegeben, ab 1952 wurde der Titel eines Dr.med.hom√∂opath. nicht mehr verliehen. Hatten um die Jahrhundertwende in den USA noch etwa 20 derartige Forschungsinstitute bestanden, so beendete das Hahnemann College als letztes dieser Forschungsinstitute seine diesbez√ľglichen Arbeiten im Jahre 1950. Heute ist die Hahnemann University eine medizinisch-wissenschaftliche Universit√§t - wie die anderen Universit√§ten auch.

Es ist unbestritten, da√ü man auf dem komplexen Gebiet des medikament√∂sen Nihilismus, der Placebowirkungen und Autopharmakologie (Reaktionen, Wechselwirkungen mit feed-back-Mechanismen der k√∂rpereigenen Hormone und Neurohormone, deren Sekretion auf verschiedenen Wegen stimuliert werden kann und die direkt oder √ľber das vegetative Nervensystem alle Organsysteme beeinflussen) noch viel Forschung treiben kann. Aber dazu bietet sich nicht eine weitere Hom√∂opathie"forschung" an. Die Gr√ľndung eines Lehrstuhls oder Instituts f√ľr Hom√∂opathie k√§me heute vielmehr einem Schildb√ľrgerstreich gleich. Ein Hom√∂opathie-Lehrstuhl w√§re dazu verdammt, ein Hom√∂opathie-Leerstuhl zu werden.

In j√ľngster Zeit wurden von paramedizinischer Seite den Gremien der Universit√§t Z√ľrich dennoch Studien vorgelegt, nach denen etwa 80% der Medizinstudenten an "Alternativmedizin" (dieses Ansinnen l√§√üt biologischen und medizinischen Sachverstand und Logik vermissen) interessiert sind und Vorlesungen dar√ľber h√∂ren wollen. Eine solche Behauptung wurde auch in der Presse erhoben.

Seit Jahren wurde hier eine Vorlesung √ľber Spurenelemente, Placebo und Hom√∂opathie angeboten (Hopff) Die Anzahl der H√∂rer betrug 15 bis 20 pro Semester - bei etwa 250 Studenten pro Semester. Davon waren die H√§lfte Gasth√∂rer. Der Einwand, in dieser Vorlesung w√ľrden die "wunderbaren Wirkungen" der Hom√∂opathie nicht gew√ľrdigt, geht ins Leere. Denn in der Folge organisierten Prof. A. Borbely und PD Dr. S. Jenny eine Vorlesungsreihe, zu der die Spitzenvertreter der "Alternativen Medizin" eingeladen wurden. Im gro√üen H√∂rsaal der Universit√§t Z√ľrich (H√§ldeliweg) waren meist nur die ersten Reihen (und diese nur teilweise) besetzt - und zwar von einigen kritischen Professoren (darunter gelegentlich der Dekan), einigen wenigen Politikern, einigen wenigen praktischen √Ąrzten und 2-3 Studenten! Die Au√üenseitermedizin brauchte und braucht zum Bl√ľhen nicht die Universit√§t.

Die Interpretation paramedizinischer Erfolge

1. Liegen die Erfolge an der Methode?

In der Vor- und Fr√ľhgeschichte und heute noch bei den sogenannten Naturv√∂lkern sind die Krankheiten und die Person des Medizinmannes von Mystik, Wahn und Magie umwoben. Das hat sich auch in der Moderne nicht vollst√§ndig ge√§ndert. Dies hat mehrere Gr√ľnde:

a) Zu wenig Wissen und Verständnis,

b) Leichtgl√§ubigkeit und Trugschl√ľsse,

c) viele Patienten erwarten von ihrem Arzt solche Mystik und Magie und eine Omnipotenz dabei,

d) manche "Halbgötter in Weiß kultivieren solches Verlangen.

Die Paramediziner argumentieren bei Heilungen oft mit dem Slogan: "Die Medizin steht vor einem R√§tsel!" Dabei k√∂nnen ihre Heilungen m√ľhelos, widerspruchsfrei und ohne okkulte Anleihen erkl√§rt werden. Wir sind von der wunderbaren Sch√∂pfung mit einer "Selbstheilungskraft" ausgestattet worden, die uns in Form von Regelungs- und Reparaturvorg√§ngen auf der Ebene der Organe, Zellen und Molek√ľle naturwissenschaftlich fa√übar wird. Der sogenannte "Placebo-Effekt", der f√§lschlicherweise von Schulmedizinern bei der Erkl√§rung paramedizinischer Erfolge oft an die erste Stelle gesetzt oder gar alleine daf√ľr verantwortlich gemacht wird, kommt psychologisch unterst√ľtzend hinzu. Da√ü via psyche nicht nur Empfinden und Befindlichkeit mehr oder weniger beeinflu√übar sind, sondern auch √ľber "Schaltkreise" des Gehirns und des neuronalen und endokrinen Systems der ganze K√∂rper (auch das Immunsystem!), sollte hier in Erinnerung gerufen werden. Selbstverst√§ndlich mu√ü der Placebo-Effekt bei jeder Art von (Be)handlung, auch der schulmedizinischen, einkalkuliert werden; er kann dabei die spezifischen Wirkungen der z.B. Arznei- oder operativen Behandlung √ľberlagern. Die Parameter, mit denen der Placebo-Effekt korreliert ist, sind auf seiten des Patienten Compliance, Vertrauen und Suggestibilit√§t, auf seiten des Therapeuten die Hingabe und die zum Ausdruck gebrachte √úberzeugtheit und auf seiten der (Be)handlung deren beeindruckende Wirkung. Viele Paramediziner wollen den Placebo-Effekt bezeichnenderweise nicht wahrhaben.

Zwar kann der weise Arzt in klassisch-wissenschaftlichem Sinn heute viele Krankheiten heilen, die noch vor wenigen Jahren nach kurzer Zeit zum Tode gef√ľhrt haben. Denn es stehen ihm heute wirksame und gut vertr√§gliche Medikamente und andere wirksame und angemessene Behandlungen zur Verf√ľgung. Doch mu√ü sich auch der wissenschaftlich ausgebildete und dementsprechend t√§tige Arzt bewu√üt sein, da√ü viele seiner Heilerfolge zumindest mit auf die nat√ľrliche Selbstheilungskraft des K√∂rpers zur√ľckzuf√ľhren sind. Dazu kommt dann noch der Placebo-Effekt mit seiner psychischen Aktivierung des Patienten. Dar√ľber liegen inzwischen gr√ľndliche Untersuchungen und Referate vor (Haas et al. 1959, Prokop U. Prokop 1957, Prokop 1964, Prokop/Wimmer 1987; Prokop 1990, Oepen 1985, Hopff 1991).

2. Warum gibt es so viele Anh√§nger der Hom√∂opathie und √ľberhaupt der medizinischen Au√üenseitermethoden?

Diese Frage hat einem von uns (Hopff) der Moderator einer SDR Fernsehdiskussionsrunde am 18.5.1991 ("Nachtcafe" bei Wieland Backes) gestellt. Die Fernsehdiskussion ist vor kleinem Publikum aufgezeichnet und zwei Tage sp√§ter manipuliert gesendet worden: Die Thesen (z. B. die, da√ü die Hom√∂opathie eine Irrlehre sei) wurden gesendet, aber die Begr√ľndungen weggeschnitten. Auf eine Frage antwortete ich (Hopff) ihm mit dem Hinweis auf die Rolle und Macht der Medien und legte ihm die besondere Verantwortung der Medien nahe. Er aber bestritt hier die Meinungsbildung durch die Medien. Aber woher sonst soll denn die Bev√∂lkerung ihr diesbez√ľgliches ,"Allgemeinwissen" beziehen, wenn nicht durch die Medien? Treffen wir nicht oftmals auf Journalisten, die kritiklos und sensationsl√ľstern jeden paramedizinischen "Heilungserfolg" wie ein "gefundenes Fressen" weiterverbreiten, Kritik und Aufkl√§rung vergessen und die "Schulmedizin" als reaktion√§ren Rest darstellen? (Auf die im echten Notfall und in wirklich ernsten Krisen auch sie nicht bereit sind zu verzichten).

W√§hrend in modernen Kliniken durch eine gelegentlich √ľbertriebene "Apparatemedizin" und eine Behandlung und Betreuung durch zeitlich √ľberlastetes und nicht √ľberall nur hochmotiviertes Personal vielerorts der Eindruck entstehen mag, da√ü der Patient nur eine "Nummer" in einer "Gesundheitsfabrik" sei, wird das Augenmerk in alternativen Praxen und Kliniken in erster Linie und ganz betont auf die menschliche Zuwendung gelegt.

Obwohl die Pharmakologen und f√ľhrenden Kliniker vor √ľbertriebenen medikament√∂sen Behandlungen warnen, weil z. B. bei gleichzeitiger Gabe verschiedener Medikamente sich deren erw√ľnschte Wirkungen und unerw√ľnschte Nebenwirkungen nicht nur addieren, sondern potenzieren, verordnen manche √Ąrzte immer noch zu bereitwillig zu viele Medikamente (Drews 1987). Der Pharmakologe weist in Kenntnis der unerw√ľnschten Nebenwirkungen immer auf die Nutzen-Schaden-Relation hin. Patienten k√∂nnen durch solche unliebsamen eigenen oder fremden Erfahrungen und einfach auch nur aus Angst davor zu Anh√§ngern der "sanften" Au√üenseiterverfahren werden. Davon hat schon Hahnemann wegen der damals viel drastischeren iatrogenen Sch√§digungen profitiert.

3. Gibt es - abgesehen von dem naturfremden Okkultismus der Homöopathen - eine Homöopathie im wahren Sinne des Wortes, also eine Heilung mit Gleichartigem?

Diese Frage mu√ü eindeutig bejaht werden. Die aus zuverl√§ssigen Beobachtungen und aus der naturwissenschaftlichen Forschung sich entwickelnde Medizin bedient sich seit einiger Zeit entsprechender Verfahren, die man mit diesem Wort bezeichnen k√∂nnte: Es sind die Impfungen, die Autovakzine-Therapie und die aktive Desensibilisierung (Hyposensibilisierung) (Hopff 1989). Die Impfung, die heute fest in der Pr√§ventivmedizin integriert ist, ist auch bez√ľglich Ihrer Wirkungsweise sogar den Laien vertraut. Autovakzine Therapie (Harth 1985) und Desensibilisierung nutzen den "Gew√∂hnungseffekt" (engl. "tolerance") aus. Man beobachtet n√§mlich, da√ü die Dosis mancher Medikamente nach einiger Zeit erh√∂ht werden mu√ü, weil die Wirkung nachl√§√üt. Die nachweisbare Ursache daf√ľr ist, da√ü die Bildung mancher Enzyme durch die Menge des Substrats stimuliert wird. Dies trifft f√ľr einige Enzyme zu, die jeweils den Abbau eines Arzneistoff s oder einer anderen Fremdsubstanz (z. B. eines Gifts) katalysieren. Bei der aktiven Desensibilisierung wird von dem allergisierenden Stoff, der Noxe, zun√§chst eine hohe Verd√ľnnung hergestellt und dann die Dosis im Laufe der Behandlung gesteigert. Diese nun erfolgende und f√ľr den Erfolg unverzichtbare Erh√∂hung der Dosis steht im Gegensatz zur Hom√∂opathie. Schlie√ülich vermag nach einer so durchgef√ľhrten aktiven Desensibilisierung der allergie-ausl√∂sende Faktor - z. B. Gr√§serpollen - keine sp√ľrbare Allergie mehr auszul√∂sen: Die Allergie bleibt trotz Anwesenheit dieser Gr√§serpollen aus. Autovakzine-Therapie und Desensibilisierung nutzen also einen in solchen F√§llen m√∂glichen Gew√∂hnungseffekt aus. Sie und die Impfungen entsprechen aber nicht den sonstigen Arzneimittelwirkungen und stehen vor allem in denkbar gr√∂√ütem Gegensatz zu den hom√∂opathischen Behandlungsweisen, die ihren Ursprung in okkulten Vorstellungen aus vorwissenschaftlicher Zeit haben.

Es ist mir eine ehrenvolle Pflicht, die vielen Hinweise und pers√∂nlichen Briefe mit kritischen Gedanken zur Hom√∂opathie dankend zu erw√§hnen, die ich von Dr. Georg Glowatzki (Bern-Liebefeld), Prof. Dr. Dr. mult. h. c. Otto Prokop (Berlin), Prof.Dr. Ernst Schuhmacher (Bern) und Dr. Wolf Wimmer (Mannheim) erhalten habe, und ganz besonders meiner lieben Frau Barbara f√ľr ihre wertvolle Mitarbeit herzlich zu danken. Hopff.”
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